Was ist Pinsa? Herkunft, Teig und Unterschied zur Pizza

Manchmal lässt sich an den Zugriffszahlen eines Blogs ziemlich genau erkennen, welches Gericht gerade plötzlich in aller Munde ist. Genau das habe ich Anfang 2020 mit meinem Pinsa-Rezept erlebt.

Veröffentlicht hatte ich das Rezept bereits am 2. Oktober 2019. Damals war die Pinsa bei uns noch eher wenig bekannt. Am 26. Januar 2020 stellte Galileo sie in der Sendung «Pizza weltweit 3.0» vor. Kurz danach gingen die Aufrufe meines Rezepts durch die Decke. Plötzlich wollten sehr viele Menschen wissen, was eine Pinsa ist und wie sie sich zu Hause zubereiten lässt.

In der Sendung wurde die Pinsa als wiederentdeckte «antike» Pizza vorgestellt. Ganz so einfach ist ihre Geschichte allerdings nicht. Die heutige Pinsa Romana ist eine moderne Entwicklung, auch wenn ihr Name und ihre Form Bezüge zu früheren Fladenbroten herstellen.

Pinsa Romana auf einem Holzbrett
Pinsa Romana

Was ist eine Pinsa?

Eine Pinsa ist ein italienisches Fladengebäck mit einer meist ovalen und etwas unregelmässigen Form. Typisch sind eine knusprige Oberfläche und ein weiches, luftiges Inneres.

Der Teig enthält in der bekannten modernen Variante neben Weizenmehl auch Reis- und Sojamehl. Dazu kommen ein verhältnismässig hoher Wasseranteil und eine längere Teigführung. Die genaue Zusammensetzung kann jedoch je nach Rezept oder verwendetem Mehlprodukt variieren.

Pinsa wird ähnlich wie Pizza belegt. Häufig wird der Teig zunächst vorgebacken und anschliessend mit den gewünschten Zutaten fertig gebacken. Frische oder empfindliche Zutaten können auch erst nach dem Backen daraufkommen.

Ist die Pinsa wirklich ein Gericht aus dem antiken Rom?

Die Pinsa wird häufig mit einfachen Fladenbroten in Verbindung gebracht, die bereits im antiken Rom gegessen worden sein sollen. Auch in der Galileo-Sendung wurde sie als eine Art antike Pizza vorgestellt.

Das offizielle Tourismusportal der Stadt Rom bezeichnet diese Geschichte inzwischen jedoch als reizvolle, aber fantasievolle Legende. Die moderne Pinsa sei weder eine überlieferte Variante des römischen Libum noch eines anderen eindeutig belegten antiken Fladenbrotes.

Die Pinsa Romana, wie wir sie heute kennen, entstand demnach im Jahr 2001. Entwickelt wurde sie vom Unternehmer Corrado Di Marco, der eine besondere Mehlmischung mit einer eigenen Methode der Teigführung kombinierte. Auch das Unternehmen Di Marco nennt 2001 als Entstehungsjahr der modernen Pinsa.

Die Formulierung «wiederentdeckte antike Pizza» ist deshalb irreführend. Treffender ist: Die Pinsa besitzt sprachliche und kulturelle Bezüge zu römischen Fladenbroten, ihre heutige Rezeptur ist jedoch eine moderne Entwicklung.

Anschnitt der Pinsa Romana auf einem Holzbrett
Anschnitt der Pinsa Romana

Woher kommt der Name Pinsa?

Der Name wird vom lateinischen Verb pinsere abgeleitet. Es kann mit «zerdrücken», «pressen» oder «flach drücken» übersetzt werden und soll sich auf das Formen des Teigs beziehen.

Diese sprachliche Verbindung zum Lateinischen dürfte dazu beigetragen haben, dass sich die Erzählung von der antiken Pinsa so hartnäckig gehalten hat. Ein Name mit historischen Wurzeln bedeutet jedoch nicht automatisch, dass auch das heutige Rezept unverändert aus der Antike überliefert wurde.

Was ist am Pinsa-Teig besonders?

Für die moderne Originale Pinsa Romana wird eine Mischung aus Weizen-, Reis- und Sojamehl sowie getrocknetem Weizensauerteig verwendet. Das Weizenmehl bildet die Grundlage und gibt dem Teig Struktur. Reis- und Sojamehl beeinflussen unter anderem die Verarbeitung und die spätere Konsistenz.

Charakteristisch sind ausserdem:

  • ein hoher Wasseranteil
  • eine lange Teigführung
  • eine offene, unregelmässige Porung
  • eine knusprige Oberfläche
  • ein weiches und luftiges Inneres
  • die typische ovale Form

Für die Originalmischung nennt der Hersteller Wasseranteile von bis zu ungefähr 80 Prozent und lange Reifezeiten. Diese Angaben beziehen sich allerdings auf die Rezeptur und die Mehlmischungen von Di Marco. Sie sind keine allgemeingültige Vorgabe für jede Pinsa.

Auch Rezepte für zu Hause können davon abweichen. In meinem Pinsa-Rezept wird beispielsweise neben Weiss-, Vollkorn- und Reismehl auch Kichererbsenmehl oder wahlweise Sojamehl verwendet. Das Rezept entstand im Rahmen eines Synchronbackens und ist damit eine eigene Variante, nicht die genaue Rezeptur der Originalen Pinsa Romana.

Rezept für Pinsa Romana

Pinsa und Pizza: Was ist der Unterschied?

Pinsa und Pizza bestehen beide aus einem gegangenen Teig und können mit ähnlichen Zutaten belegt werden. Trotzdem gibt es einige typische Unterschiede.

MerkmalPinsaKlassische Pizza
Formmeist oval und unregelmässigmeistens rund
Mehlhäufig Mischung aus Weizen-, Reis- und Sojamehlüberwiegend Weizenmehl
Wasseranteilhäufig hochabhängig von der Pizzaart
Teigführungmeist langje nach Rezept sehr unterschiedlich
Konsistenzinnen luftig, aussen knusprigje nach Pizzaart weich oder knusprig
Zubereitunghäufig vorgebackenmeist direkt mit dem Belag gebacken
Belagteilweise erst nach dem Vorbacken ergänzthäufig vor dem Backen aufgelegt

Dieser Vergleich dient nur als Orientierung. Pizza ist ein sehr weiter Begriff: Eine neapolitanische Pizza ist weich und biegsam, während eine Pizza tonda romana dünn und knusprig gebacken wird. Auch bei der Pinsa unterscheiden sich Rezepte und fertige Produkte teilweise deutlich voneinander.

[Interner Link: Neapolitanische und römische Pizza im Vergleich]

Wie wird eine Pinsa geformt?

Der Pinsa-Teig wird nicht mit dem Wallholz ausgerollt. Er wird vorsichtig mit den Händen auseinandergezogen und in seine typische längliche, ovale Form gebracht.

Gerade bei einem weichen, wasserreichen Teig ist eine behutsame Verarbeitung wichtig. Wird er zu stark gedrückt oder geknetet, gehen viele der während der Teigruhe entstandenen Luftblasen wieder verloren.

Etwas Mehl oder Weizendunst auf der Arbeitsfläche kann dabei helfen, dass der Teig nicht festklebt. Wie viel davon nötig ist, hängt jedoch von der Konsistenz des jeweiligen Teigs ab.

Wie lässt sich Pinsa belegen?

Pinsa kann ähnlich belegt werden wie Pizza. Dabei lohnt es sich, den Teig nicht mit zu vielen Zutaten zu beschweren. Ein zurückhaltender Belag lässt die luftige Struktur und die knusprige Oberfläche besser zur Geltung kommen.

Für einen klassischen Belag eignen sich beispielsweise Tomatensauce, Mozzarella und Kräuter. Feuchte Zutaten sollten gut abtropfen, damit der Boden beim Backen nicht weich wird.

Empfindliche Zutaten kommen am besten erst nach dem Backen auf die Pinsa. Dazu gehören beispielsweise:

  • Rucola
  • frische Kräuter
  • Rohschinken
  • Burrata
  • frische Tomaten
  • gehobelter Parmesan

Auch saisonales Gemüse, Pilze oder verschiedene Käsesorten passen gut. Entscheidend ist weniger die Menge als eine Kombination, bei der die einzelnen Zutaten noch erkennbar bleiben.

Pinsa Romana aus Hefeteig

Ist Pinsa bekömmlicher als Pizza?

Pinsa wird häufig als besonders leicht oder bekömmlich beworben. Als Gründe werden meist der hohe Wasseranteil, die lange Teigführung und die verwendete Mehlmischung genannt. Auch Di Marco und das römische Tourismusportal verwenden entsprechende Beschreibungen. Dabei handelt es sich teilweise um Hersteller- beziehungsweise Marketingangaben.

Eine allgemeine Aussage, dass Pinsa grundsätzlich besser verträglich sei als Pizza, lässt sich daraus nicht ableiten. Wie gut ein Teig vertragen wird, hängt unter anderem vom Rezept, von der Teigführung, vom Belag, von der gegessenen Menge und von der einzelnen Person ab.

Pinsa ist ausserdem nicht automatisch glutenfrei. Enthält sie Weizenmehl, enthält sie auch Gluten. Einzelne Anbieter führen zwar spezielle glutenfreie Varianten, diese dürfen aber nicht mit der üblichen Pinsa aus Weizen-, Reis- und Sojamehl verwechselt werden.

Eine moderne Spezialität mit überraschender Erfolgsgeschichte

Die heutige Pinsa Romana ist also keine unverändert überlieferte Speise aus dem antiken Rom. Sie ist eine moderne Entwicklung, die historische Bezüge, eine besondere Mehlmischung und eine eigene Art der Teigführung miteinander verbindet.

Dass sie innerhalb weniger Jahre auch ausserhalb Italiens bekannt wurde, habe ich 2020 direkt an den Aufrufen meines Rezepts gesehen. Nach der Galileo-Sendung wollten plötzlich sehr viele Menschen wissen, was hinter dem ovalen Fladen steckt.

Heute findet man Pinsa nicht mehr nur in spezialisierten Pinserien. Sie wird auch in Pizzerien angeboten und ist als vorgebackener Boden im Handel erhältlich. Trotzdem lohnt es sich, bei Rezepten und Produkten genauer hinzuschauen: Nicht jede ovale Pizza ist automatisch eine Pinsa, und nicht jede Pinsa folgt genau der ursprünglichen modernen Rezeptur.

Wer sie selbst ausprobieren möchte, findet hier mein Rezept mit langer Teigführung und einer Mischung aus verschiedenen Mehlsorten:

Mein Rezept für Pinsa Romana

Weitere Teile der Serie:

Pizza, Pinsa und Focaccia – die Unterschiede

Neapolitanische und römische Pizza im Vergleich


Quellen und weiterführende Informationen

Turismo Roma
La Pinsa Romana
Informationen zur modernen Entstehung der Pinsa Romana, zur häufig erzählten Geschichte ihres antiken Ursprungs sowie zu Form, Mehlmischung und Teigführung. Abgerufen am 30. Juli 2026.

Di Marco – Herstellerinformation
Pinsa romana: tutto quello che devi sapere
Herstellerangaben zur Entwicklung der modernen Pinsa durch Corrado Di Marco, zur verwendeten Mehlmischung, zum Wasseranteil und zur langen Teigführung. Aussagen zur Leichtigkeit und Bekömmlichkeit sind als Herstellerangaben zu verstehen. Abgerufen am 30. Juli 2026.

Joyn / ProSieben
Galileo – Pizza weltweit 3.0
Galileo-Folge vom 26. Januar 2020, in der die Pinsa in Rom vorgestellt und mit anderen Pizzaarten verglichen wurde. Abgerufen am 30. Juli 2026.

Cakes, Cookies and more
Rezept für Pinsa Romana
Mein Pinsa-Rezept mit langer Teigführung sowie einer Mischung aus Weissmehl, Reismehl und Kichererbsen- oder Sojamehl. Veröffentlicht am 2. Oktober 2019.


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