Grafik zum richtigen Lagern von Lebensmitteln und zur Vermeidung von Food Waste.

Lebensmittel richtig lagern: weniger Food Waste im Alltag

Food Waste entsteht nicht erst, wenn gekochte Reste übrig bleiben. Oft beginnt er bereits beim Einkauf oder bei der Lagerung. Wir kaufen mehr ein, als wir rechtzeitig verbrauchen können, verlieren den Überblick über unsere Vorräte oder entsorgen Lebensmittel, sobald das aufgedruckte Datum abgelaufen ist.

Mit etwas Planung und einer passenden Lagerung können viele Lebensmittel länger verwendet werden. Dabei braucht es kein kompliziertes System. Schon kleine Gewohnheiten helfen, weniger wegzuwerfen.

Dieser Beitrag ist der zweite Teil meiner kleinen Reihe rund um Food Waste. Im ersten Beitrag geht es um die Grundlagen und darum, [warum jedes Lebensmittel zählt].

Vor dem Einkauf die Vorräte prüfen

Bevor ich einkaufen gehe, lohnt sich ein Blick in den Kühlschrank, den Tiefkühler und den Vorratsschrank. Welche Lebensmittel sind noch vorhanden? Was sollte bald verwendet werden? Und was fehlt tatsächlich?

Eine grobe Menüplanung und eine Einkaufsliste helfen dabei, nur das einzukaufen, was in den nächsten Tagen benötigt wird. Die Planung muss dabei nicht für jeden Tag ein festes Gericht vorgeben. Oft reicht es, einige Mahlzeiten einzuplanen und bewusst Platz für Reste oder spontane Änderungen zu lassen.

Hilfreich ist ausserdem:

  • leicht verderbliche Lebensmittel nur in überschaubaren Mengen einzukaufen
  • Aktionen nur zu nutzen, wenn die Produkte tatsächlich gebraucht oder eingefroren werden können
  • vor dem Einkauf ein Foto des Kühlschrankinhalts zu machen
  • nicht hungrig einkaufen zu gehen
  • saisonale Produkte zu bevorzugen
  • auch Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern zu kaufen
Infografik zum Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum bei Lebensmitteln.

Mindesthaltbarkeitsdatum oder Verbrauchsdatum?

Viele Lebensmittel werden weggeworfen, weil die verschiedenen Haltbarkeitsangaben falsch verstanden werden. Dabei besteht ein wichtiger Unterschied zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum und dem Verbrauchsdatum.

Mindesthaltbarkeitsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist an der Formulierung «mindestens haltbar bis» zu erkennen. Es gibt an, wie lange ein Produkt bei richtiger Lagerung seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Farbe, Geruch und Konsistenz behält.

Nach Ablauf dieses Datums ist ein Lebensmittel nicht automatisch verdorben. Viele Produkte sind noch längere Zeit geniessbar.

Dabei hilft die Sinnesprüfung:

  1. Ist die Verpackung unbeschädigt?
  2. Sieht das Lebensmittel normal aus?
  3. Riecht es angenehm und produkttypisch?
  4. Wenn alles unauffällig ist: Schmeckt eine kleine Menge noch gut?

Gibt es Anzeichen von Schimmel, Fäulnis, Gasbildung oder einen ungewöhnlichen Geruch, sollte das Lebensmittel nicht mehr gegessen werden.

Verbrauchsdatum

Das Verbrauchsdatum steht als «zu verbrauchen bis» auf besonders leicht verderblichen Lebensmitteln. Es dient nicht nur der Qualität, sondern vor allem der Lebensmittelsicherheit.

Nach Ablauf des Verbrauchsdatums sollte ein Produkt nicht mehr gegessen oder verarbeitet werden. Krankmachende Keime lassen sich nicht immer sehen, riechen oder schmecken.

Wer merkt, dass ein Lebensmittel nicht rechtzeitig verwendet werden kann, sollte es spätestens bis zum Verbrauchsdatum zubereiten oder, sofern geeignet, einfrieren.

Den Kühlschrank richtig einräumen

Im Kühlschrank herrscht nicht überall dieselbe Temperatur. foodwaste.ch empfiehlt eine Kühlschranktemperatur von etwa 5 °C. Wo sich die kältesten Bereiche befinden, hängt allerdings vom Gerät und seinen Kühlzonen ab. Bei neueren Kühlschränken lohnt sich deshalb ein Blick in die Bedienungsanleitung.

Bei einem klassischen Kühlschrank gilt ungefähr folgende Einteilung:

  • Kühlschranktür: Getränke, Butter, Saucen, Tuben und Eingemachtes
  • Oberes Fach: Käse, Konfitüre, Eingemachtes und Lebensmittel, die bald gegessen werden
  • Mittleres Fach: Milchprodukte, Eier, Tofu und pflanzliche Alternativen
  • Kältester Bereich: Fleisch, Fisch, Wurstwaren, leicht verderbliche Fertigprodukte und zubereitete Speisen
  • Gemüsefach: Obst und Gemüse, das kühl gelagert werden sollte

Rohes Fleisch und andere leicht verderbliche Lebensmittel sollten gut verschlossen aufbewahrt werden, damit keine Flüssigkeit auf andere Produkte gelangen kann.

Infografik zum richtigen Einräumen des Kühlschranks mit passenden Lagerbereichen und einer empfohlenen Temperatur von etwa 5 °C.

Neues nach hinten, Älteres nach vorne

Eine besonders einfache Regel ist das Prinzip «First in, first out»: Neu gekaufte Lebensmittel kommen nach hinten, ältere Produkte nach vorne.

Lebensmittel, die bald verwendet werden sollten, können in einem gut sichtbaren Bereich gesammelt oder mit einem kleinen Hinweis markiert werden. So verschwinden angebrochene Packungen und Reste weniger leicht in den hinteren Ecken des Kühlschranks.

Das funktioniert auch im Vorratsschrank und im Tiefkühler. Gefässe und eingefrorene Lebensmittel werden am besten mit Inhalt und Datum beschriftet.

Obst und Gemüse passend aufbewahren

Nicht jedes Obst und Gemüse gehört automatisch in den Kühlschrank. Tomaten, Zucchetti, Gurken und Peperoni können durch die kalte Lagerung an Aroma verlieren. Sie werden besser an einem möglichst kühlen Platz aufbewahrt und zeitnah verwendet.

Sind sie bereits sehr reif oder ist es in der Wohnung warm, kann der Kühlschrank trotzdem helfen, den Verderb hinauszuzögern. Vor dem Essen können sie wieder etwas Zimmertemperatur annehmen.

Äpfel und Birnen geben viel Ethylen ab. Dieses Reifegas kann dazu führen, dass anderes Obst und Gemüse schneller reift und verdirbt. Deshalb sollten sie möglichst getrennt von empfindlichen Sorten aufbewahrt werden.

Das Gemüsefach sollte zudem regelmässig kontrolliert werden. Beschädigte oder sehr reife Lebensmittel werden zuerst verwendet, bevor sie unbemerkt verderben.

Brot und trockene Vorräte lagern

Brot wird am besten trocken, verschlossen und bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Ein Brotkasten oder ein geeigneter Brotbeutel schützt es vor dem Austrocknen. Für eine längere Aufbewahrung lässt sich Brot gut portionsweise oder in Scheiben einfrieren.

Mehl, Reis, Teigwaren, Hülsenfrüchte und andere trockene Lebensmittel sollten trocken und gut verschlossen gelagert werden. Angebrochene Verpackungen können in dichte Gefässe umgefüllt und mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum beschriftet werden. So bleiben die Vorräte übersichtlich und sind besser vor Feuchtigkeit und Vorratsschädlingen geschützt.

In meinem Beitrag 5 Wege, wie du altes Brot weiterverwendest findest du praktische Ideen für übrig gebliebenes Brot.

Kleine Gewohnheiten mit grosser Wirkung

Lebensmittel richtig einzukaufen und zu lagern, muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, den Überblick zu behalten und Produkte rechtzeitig zu verwenden.

Für mich sind dabei vor allem diese Punkte hilfreich:

  • Vorräte vor dem Einkauf kontrollieren
  • nur realistische Mengen einkaufen
  • Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum unterscheiden
  • ältere Lebensmittel gut sichtbar aufbewahren
  • Kühl- und Vorratsschränke regelmässig überprüfen
  • Lebensmittel rechtzeitig einfrieren

Im dritten Teil der Reihe geht es darum, wie sich Brot, Gemüse, Obst und gekochte Reste zu neuen Gerichten weiterverarbeiten lassen.

Weitere Anregungen findest du in meinen Rezepten zur Resteverwertung


Quellen und weitere Informationen

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